Zum Hauptinhalt springen

2026 Bratwurst, Glaube und Vereinskrieg

06.10.2026

2026 Bratwurst, Glaube und Vereinskrieg

Bratwurst, Glaube und Vereinskrieg: Das Erfolgsstück „Extrawurst“ in Oberperfuss

Die bühne.oberperfuss bringt mit „Extrawurst“ eine der aktuell erfolgreichsten Komödien auf die Bühne. Die beiden Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob gehören zu den besten im Bereich der satirischen Gesellschaftsanalyse.

Was als harmlose Mitgliederversammlung eines Tennisclubs beginnt, eskaliert wegen der Anschaffung eines neuen Grills zu einer hochexplosiven Debatte über Toleranz, Vorurteile und die österreichische Vereinsseele. Unter der Regie von Thomas Kuen verwandelt sich das Peter-Anich-Haus in ein turbulentes Spielfeld, auf dem die Pointen wie im Tennis-Doppel Schlag auf Schlag fliegen und den Zuschauern glatt den Atem rauben.

Wir haben mit dem Regisseur und dem Ensemble über die Herausforderungen des Stücks und ihre Rollen gesprochen.

Interview mit Regisseur Thomas Kuen

Frage: Thomas, „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob ist ein absoluter Publikumshit. Was hat dich dazu bewogen, diese Komödie nach Oberperfuss zu holen, und worauf dürfen sich die Zuschauer besonders freuen?

Thomas: „Extrawurst“ spiegelt unsere Gesellschaft im Kleinen wider. Jeder, der schon einmal bei einer Vereinsversammlung war, weiß, wie schnell aus Kleinigkeiten ein Grundsatzstreit wird. Mich hat gereizt, wie das Stück die Grenzen unserer vermeintlichen Toleranz aufzeigt und das mit einem unfassbaren Witz. Das Publikum darf sich auf eine extrem pointierte, rasante Inszenierung freuen, bei der man sich oft selbst ertappt fühlt.

„Wir spielen mitten auf dem heißen Court – das wird ein verdammt intensiver Schlagabtausch!“

Das Ensemble im Gespräch: Theater-Wahnsinn auf dem Tennisplatz

Martin, du musst als Vereinsvorsitzender Dr. Heribert Bräsemann den absoluten Patriarchen alter Schule auf die Bühne bringen einen Mann, der es gewohnt ist, dass alles nach seiner Pfeife tanzt. Wie viel Spaß macht es schauspielerisch, diesen autoritären Alphamann zu verkörpern, der fassungslos zusehen muss, wie sein mühsam aufgebautes Vereinsimperium wegen der Diskussion um einen einzigen Grill komplett im Chaos versinkt?

Martin: „Heriberts patriarchalische Art macht die Rolle für mich besonders reizvoll. Er ist ein Mann alter Schule, der fest davon überzeugt ist, dass er weiß, was für alle das Beste ist und Widerspruch ist er nicht gewohnt. Für ihn bedeutet Vorsitzender sein auch: das letzte Wort haben. Umso lustiger ist es, mitzuerleben, wie seine Autorität wegen eines einzigen Grills immer mehr zerbröselt. Diesen Patriarchen Stück für Stück die Kontrolle verlieren zu lassen, macht schauspielerisch richtig Spaß.

Dominik, deine Rolle Matthias Scholz versteht die ganze Aufregung eigentlich überhaupt nicht, alles nur wegen ein paar Extrawürsten! Du spielst ihn als den ehrgeizigen Vize-Chef, der sich insgeheim längst als den wahren, besseren Vereinsvorsitzenden sieht. Wie viel Spaß macht es, auf der Bühne die Fäden zu ziehen und diese scheinheilige Haltung zu spielen, dass sich der Kollege Erol ja wohl „einfach mal ein bisschen integrieren“ könnte, um den Vereinsfrieden nicht zu stören?

Dominik: Puhhh, das ist bei dieser Rolle gar nicht so leicht zu beantworten. Als Matthias verkörpere ich Werte, die in krassem Gegensatz zu meinen eigenen stehen. Seine simple Sichtweise auf ein sehr komplexes Thema, die er dann auch noch unverblümt provokant jedem aufdrückt, ist für mich kaum zum Aushalten. Mir fällts da schwer, das was ich sagen „muss“ als spaßig zu bezeichnen. Aus schauspielerischer Sicht aber natürlich eine coole Challenge, wenn man so weit weg von einem selbst ist. Das macht dann auf jeden Fall Spaß.

Steffi, deine Rolle Melanie hat am Anfang eigentlich nur eine verdammt gute und harmonische Idee, die dann aber im Laufe des Stücks so richtig spektakulär nach hinten losgeht. Wie spielt man diese Komödie, wenn man auf der Bühne merkt, dass man mit der besten Absicht der Welt gerade ein emotionales Minenfeld betreten und das absolute Chaos ausgelöst hat?

Steffi: „Ich spiele Melanie so, dass ihre gute Absicht immer im Mittelpunkt steht. Sie will niemandem schaden und versucht, alle unter einen Hut zu bringen. Als die Situation außer Kontrolle gerät, kämpft sie immer verzweifelter darum, alles wieder in Ordnung zu bringen. Genau dieser Gegensatz zwischen Harmoniebedürfnis und eskalierendem Chaos macht die Rolle so unterhaltsam.“

Markus, als Erol Oturan bist du das unfreiwillige Epizentrum dieses ganzen Theaterkonflikts. Du musst die meiste Zeit die absurde Diskussion über dich ergehen lassen, bevor dir die Hutschnur reißt. Was ist schwieriger zu spielen: das lange, mühsame Herunterschlucken der Wut oder der finale, epische Ausbruch, auf den das ganze Stück zusteuert?

Markus: Sind wir uns mal ehrlich: In der heutigen Zeit gehört Impulsivität, vorschnelles Handeln & Aggression ja zur Tagesordnung. Bei sich zu bleiben und Ruhe zu bewahren, egal wie laut das Gegenüber ist, ist wohl für „viele“ eine Kunst und gehört zum LEBEN dazu. Für mich als Spieler ist es die „Kunst“ zu spielen, ohne was zu sagen. In Interaktion zu gehen, mit Gesten oder mal nur ein starrer Blick. Einfach Ruhe und Gelassenheit. Sämtliche Aggressionen lass ich spielerisch über mich ergehen bzw. prallen an mir ab. Dosiert die „reißende Hutschnur“ zu spielen, braucht Gefühl und ist ebenso „Kunst“. Wut heisst für mich nicht zwangsläufig laut zu sein, oder vor Zorn feuerspuckend über die Bühne zu poltern, sondern gezielt treffende Wortakrobatik. Somit, um deine Frage zu beantworten: Die Schwierigkeit besteht für mich darin, sich auf beide grundlegenden Emotionen einzulassen und dies kann ich kaum erwarten.

Clemens, dein Torsten Pfaff bringt mit seinen völlig absurden Kompromissvorschlägen die nötige Prise Wahnsinn in die Vereinsdynamik. Wie probt man so eine Rolle, die als einzige den bitteren Ernst der Lage überhaupt nicht begreift? Und wie verhinderst du, dass deine Kollegen auf der Bühne die Fassung verlieren, wenn du deine crazy Ideen abfeuerst?

Clemens: Das Geheimnis bei Torsten ist, dass er für sich selbst der einzig Normale im Raum ist. Wenn die Situation dramatisch wird, sieht er das nicht als Tragödie, sondern als logisches Problem, das man mit einem unkonventionellen Kompromiss lösen kann. Ich bringe die “crazy Ideen“ mit voller Überzeugung als wären sie die Lösung für jedes Problem. Und dann hoffe ich einfach, dass die Kollegen ihre Gesichter im Griff haben und nicht schon bei meinem ersten Satz loslachen.

Wenn sich das Peter-Anich-Haus in Oberperfuss in einen Tennis-Court verwandelt und die Worte nur so hin- und her-matchen, ist erstklassige Unterhaltung garantiert. Hinter diesem perfekten Ballwechsel steht ein fantastisches Team – danke an den gesamten Cast und die Regie für das Interview!

Aufführungstermine

Samstag 10.10.26 um 19:30 Uhr Premiere
Freitag 16.10.26 um 19:30 Uhr
Samstag 17.10.26 um 19:30 Uhr
Sonntag 18.10.26 um 18:00 Uhr
Freitag 23.10.26 um 19:30 Uhr
Samstag 24.10.26 um 19:30 Uhr
Sonntag 25.10.26 um 18:00 Uhr
Freitag 30.10.26 um 19:30 Uhr
Samstag 31.10.26 um 19:30 Uhr

Kartenvorbestellung per E-Mail: reservierung@buehne-oberperfuss.at
Kartenvorverkauf während der Öffnungszeiten
Tourismus Information Oberperfuss,
Mo-Di 08:30 – 12:00 Uhr und Do-Fr 08:30 – 12:00 Uhr
Eintritt: € 14,- FREIE PLATZWAHL

THEATERCAFE jeweils 1 Stunde vor Spielbeginn geöffnet

Weitere Informationen über Kartenvorverkauf, Anfahrt und Parkmöglichkeiten finden Sie auf unserer Homepage www.buehne-oberperfuss.at